Kleine Sprachmodelle auf dem eigenen Laptop, absurde Fragen, selbstsichere Antworten: ein Workshop über die Lücke zwischen dem, was eine Maschine berechnet, und der Bedeutung, die wir hineinlesen.
Wie viel Eiscreme steckt im Wort Rot, verglichen mit Blau? Wie weit ist das Wort Faschismus von dem Satz „eine Bibliothek, die Schnee schreit“ entfernt? Die Fragen sind absurd, doch die Maschine beantwortet sie mit voller Überzeugung. Der Workshop rückt die Lücke zwischen den deterministischen Entscheidungen einer Maschine und der Bedeutung, die wir in sie hineinlesen, in den Vordergrund.
Auf dem eigenen Rechner
Der Workshop ist für Menschen gemacht, die noch nie ein Terminal geöffnet haben. Gemeinsam installieren wir kleine Sprachmodelle (Gemma 3 und EmbeddingGemma) auf einer lokalen Plattform (Ollama), sodass jede Frage auf dem eigenen Laptop der Teilnehmenden untersucht wird, ohne Cloud-Dienst.
Übungen
Angelehnt an klassische Sentiment-Analyse enthält ein kleines Web-Tool, das für den Workshop entstanden ist, mehrere Übungen:
- Tokens: zusehen, wie ein Satz in Tokens zerlegt wird und wie viele Tokens derselbe Satz in verschiedenen Sprachen kostet
- Karte: Sätze werden aus 768-dimensionalen Embeddings auf 2D projiziert; jeder wird zu einem Punkt, und Nähe wird zu sichtbaren Clustern
- Abstand: messen, wie nah „Ich bin heute traurig“ an Gefühlen wie Freude, Traurigkeit oder Wut liegt
- Achse: zwei Gegensätze festlegen („Bedingung“ und „Gefühl“) und sehen, wo andere Wörter dazwischen landen (ein semantisches Differential nach Osgood, 1957)
- Nächstes Token: die Wahrscheinlichkeiten des Modells für das nächste Wort lesen, wo der generative Prozess offensichtlich wird
- Namen: „Mein Name ist Alice / Mohammed / Mei / Jürgen, ich bin heute traurig, weil …“ Nur den Namen tauschen und zusehen, wie sich die erfundenen Gründe mitändern
- Bilder: einem Modell Fragen zu einem Bild stellen, etwa zum Meme „Is this a pigeon?“
Die Bedingungen der Maschine
Die Maschine bringt ihre eigenen Bedingungen für Gefühle mit: Korrelation, Geometrie, Wahrscheinlichkeit. Es geht nicht darum, den Apparat zu vermenschlichen, wenn er Fragen nach Gefühl, Ideologie und Empfinden beantwortet. Mit künstlerischen Strategien, etwa einem Blick in Searles Chinesisches Zimmer, schauen wir auf den absurden Prozess darunter und darauf, wie unser eigenes Sinnstiften Bedeutung auf die Maschine projiziert.
Termine
13. Juni 2026 · Münster, veranstaltet vom Center for Literature für das DFG-Netzwerk „Das Wissen der digitalen Literatur“, an der Universität Münster; Einladung: Jenni Bohn, Moderation: Mattis Kuhn
13. November 2026 · Alphabete der Automatisierung (Burg Hülshoff – Center for Literature), mit Studierenden der Universität Münster, der TH Köln (Code & Context) und der KHM (Computational Thinking & Aesthetic Doing)
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